Geige, Bandoneon, Mundharmonika, Cello, Englischhorn und sogar die Querflöte sind im Jazz eher selten anzutreffen. Aufnahmen aus Konzerten mit solchen Instrumenten auf einem Album zusammenzubringen: das war die Idee zu Volume 7, live at the bird's eye, CALL IT WACHAWANNA.
Während der Geiger Rudi Berger aus Wien wie auch Olivier Ker Ourio von der Insel Reunion auf seiner Mundharmonika mit ihrer typischen Jazz Rhythmsection sehr jazzmässig agieren, werden bei den anderen Besetzungen ganz andere Stimmungen erzeugt. Beim Bandoneon in der Suite Piazzollana der argentinischen «Afines» von Emilio Solla sind die Tango-Adaptionen schon Programm. Auch bei der Bearbeitung der Sonate von Bohuslav Martinu, welche Gunter Wehinger anlässlich der ersten Beteiligung des bird's eye an den Internationalen Musikfesttagen B. Martinu im November 2004 geschrieben und für sein New Trio übernommen hat, sind die klassischen Klänge vorprogrammiert. Daniel Pezzotti ist dank seiner einzigartigen Fähigkeit, das Cello so vielseitig als Begleit-, Solo- oder Bass-Stimme einzusetzen, inzwischen in unglaublich zahlreichen Jazz-Formationen anzutreffen. In gewissem Sinn ein «ungewöhnliches Instrument» ist auch die menschliche Stimme, nämlich ein ganz besonderes, oder wie die Sängerin Alice Day sagt: «The voice is the first and the original instrument». Ihre wie immer sehr freie Interpretation einer «old american melody» (1725) im Duo mit Schlagzeug («the drum is the second instrument») ist jedenfalls alles andere als alltäglich. (Das Duo war lediglich ein Teil des Programms mit ihrer speziellen Gospel- und Jazz-Gruppe). Und wenn die südafrikanische Formation «Rockart» (was sich auf Felsmalerei bezieht und nichts zu tun hat mit «Rock» als Musikstil) neben Flügel und Trompete Computermodulationen von Stimme und Perkussion einspielt, um einen Sound zu generieren, der unverkennbar die Charakteristika südafrikanischer Tradition und Eigenheit aufweist, dann berühren sich alle Extreme des Ursprünglichen und Postmodernen, des Elementaren und Exzeptionellen. Nicht weniger aussergewöhnlich, aber schwer einzuordnen, ist die Musik der Gruppe ZLOM (was auf polnisch Metallschrott heisst): zwei Amerikaner, ein Schweizer, ein Österreicher und ein Italiener spielen eine Komposition eines vietnamesischen Musikers!
Ob das überhaupt noch Jazz ist? Unwichtig. Hauptsache, es ist gute Musik, und es gefällt Ihnen. Jazz ist eine offene Musik, welche oft keinerlei Etiketten verträgt. Es gab eine Zeit, wo sich die Musiker sogar gegen den Titel «Jazz» gewehrt haben. So auch Johnny Griffin, von ihm gibt es eine Komposition mit dem Titel: call it wachawanna; englischer: call it what ya wanna; oder noch englischer: call it what you want to.
Die CD ist im bird's eye jazz club (oder per Bestellung mit 4.- Versandzuschlag) erhältlich.
Der Preis beträgt CHF 30.- resp. CHF 25.- für Mitglieder.